Anlässlich des Jubiläums 70 Jahre Deklaration der Menschenrechte, wurde am 8.11. der I. Ulmer Menschenrechtspreis für Projekte von Schülerinnen und Schülern von der Stiftung Menschenrechtsbildung, in Kooperation mit der Hermann Bantleon GmbH verliehen.

Die Preisträger*innen 2018:

1. Platz: 5000 € + Trophäe

geht an die Schüler*innen aus dem Wirtschaftsgymnasium, dem Berufskolleg und der Berufsfachschule der

Gebhard-Müller-Schule Biberach

für ihr Projekt

Unterstützung von Kinderarbeitern im indischen Bundesstaat Rajasthan (Klicken für Details)

Im Bundesstaat Rajasthan in Indien arbeiten Kinder unter unmenschlichen Bedingungen in Steinbrüchen. Die gezahlten Löhne erlauben es den direkt am Steinbruch lebenden Familien nicht, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Stattdessen müssen diese oft schon ab dem Alter von vier Jahren im Steinbruch mitarbeiten, um die Familie zu ernähren. Weder Eltern noch Kinder können lesen oder schreiben, so dass sie ihre Rechte weder kennen, noch in Anspruch nehmen können. Daher fallen viele Familien in die sogenannte Schuldknechtschaft.

Die Schüler/innen der Gebhard-Müller-Schule in Biberach (GMS) ermöglichen durch Sammeln von Spenden ab 2014 für 50 Kinder eines Steinbruchs den Besuch der Kerala Bhakar-Schule in Rajasthan. Somit erhalten sie und ihre Familien einen Ausweg aus dem Leben im Steinbruch und eine Perspektive für eine selbstbestimmte Zukunft.
Unser Ziel ist es, dass nach ca. 5 Jahren die Finanzierung von der Dorfgemeinschaft selbst oder vom indischen Staat übernommen wird.

Weiterer wichtiger Teil des Projektes ist die Bildung und Sensibilisierung der Mitschülerinnen und -schüler mit den Themen Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit.
Die Schüler/innen der SMV informieren ihre Mitschüler über die Notwendigkeit und fordern sie zu sozialem Handeln auf. Durch die hohe Spendenbereitschaft sieht man, dass es auch gelingt. In Informationsveranstaltungen der SMV (u. a. auch mit Benjamin Pütter) vor der jährlichen Weihnachtsspendenaktion und persönlicher Darstellung und Gesprächen in den Klassen wird die Problematik erläutert und die Bedeutung des Projektes jedes Jahr erneut thematisiert und diskutiert.
Eine weitere Aufgabe liegt in der Öffentlichkeitsarbeit. Mit Aktionen wie Radiobeiträge, Zeitungsberichte und Stand auf dem Wochenmarkt sollen die Biberacher mobilisiert werden und der Öffentlichkeit und zukünftigen Mitschülern gezeigt werden, wie wichtig uns Schülern/innen der Gebhard-Müller-Schule Soziales Handeln ist.

Schülerinnen und Schüler der Gebhard-Müller-Schule Biberach mit der Trophäe sowie der Schirmherrin Nina zu Fürstenberg (links) und Heribert Großmann (3. v. l.), Geschäftsführer der Bantleon GmbH, Ulm

 

2. Platz: 3000 €

geht an die Schüler*innen der

Realschule Dornstadt

für ihr Projekt

Im Meer schwimmen Krokodile - ein Filmprojekt zum Thema Asyl ein Menschenrecht?! (Klicken für Details)

Die Schüler*innen drehen Kurzfilme zum Thema „Asyl ist ein Menschenrecht!“, um anderen und ihnen selbst das Thema näher zu bringen und führen auch Interviews durch. Ausgangspunkt ist das Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda, der die wahre Geschichte des zehnjährigen Enaiatollah Akbari, kurz Enaiat, erzählt. Dieser flieht von Afghanistan zunächst nach Pakistan mit seiner Mutter, die ihn dann aber plötzlich verlässt. Enaiat durchwandert verschiedene Länder des Ostens, bis er schließlich in Europa landet.
Die Filme sollen Rollenspiele und Erklärungen enthalten. Dabei wird auch auf die Themen “Flucht und Integration” eingegangen werden. Sie zeigen damit, wie Menschenrechte bereits in einer 7. Klasse einer Realschule im Regelunterricht thematisiert werden können und wie komplexe Probleme auf kreative Weise angegangen und dadurch vielleicht auch gelöst werden können.

 

3. Platz: 1000 €

geht an die Schüler*innen der

Urspringschule Schelklingen

für ihr Projekt

Schülergericht - demokratische Strukturen einen Schule als Gemeinde (Klicken für Details)
Menschenrechte werden i,d,R. in größeren Bezügen gesehen (konkretisiert durch die Erklärung für Menschenrechte der UN). Die BRD gilt in manchen Feldern bzgl. Menschenrechte als vorbildlich, Nachholbedarf gibt es u.a. bei Fragen der Inklusion, in Genderfragen oder bei der Integration von Migranten. Menschenrechte fußen letztendlich auf stabilen gesellschaftlichen Verhältnissen (u.a. dokumentiert durch das zivilsatorische Hexagon von Dieter Senghass) und einer demokratischen Grundstruktur innerhalb einer Gesellschaft. Vom Großen zum Kleinen gedacht wirken in einer Schule, die ein Schülergericht einführen möchte (quasi eine Judikative von Schülern für Schülern mit klaren demokratischen Spielregeln) erzieherische Aspekte, die die kommende Generation für Fragen der Menschenrechte sensibiliseren werden. In diesem Kontext ist das Projekt Schülergericht zu sehen, als Pilot für eine nachhaltige Sozialisation humanitärer Bürger.

 

 

4. Platz: jeweils 250 €
gingen an die folgenden Projekte:
Die Gedanken sind frei - damals und heute? - Hans und Sophie Scholl-Gymnasium, Ulm
AbiturientInnen des Scholl-Gymnasiums setzten sich Schriftstellern, Künstlern und Journalisten auseinander, die damals in Auschwitz oder heute irgendwo auf der Welt nicht mehr frei leben können, aufgrund ihrer Gedankenäußerungen. Dazu gestaltete jedeR mindestens 1 DIN A 4 Seite mit entsprechenden Informationen über den Künstler. Ein Besuch von Auschwitz führte zu einem intensiven Gedankenaustausch und die damaligen Ereignisse und Gräueltaten warfen nun bei den aktuellen Persönlichkeiten ein ganz anderes, intensiveres Licht auf deren Taten. Diese einzelnen Schicksale, damals und heute, kamen den SchülerInnen so viel näher. Die gedankliche Durchdringung der Menschenrechte auf freie Meinungs- Gedanken- und Gewissensäußerung und deren Bestrafung auch heute noch, ließ die Lernenden nicht mehr los. Nicht zuletzt, da dies auch in Europa geschieht.
Die SchülerInnen setzten ihre Erlebnisse und Erfahrungen gestalterisch um: Es entstanden Bilder, eine Hörinstallation, eine Fotopräsentation und eine Skulptur, die zunächst in der Südwest Presse Galerie ausgestellt wurden. Begonnen wurde die Vernissage mit einer Performance vom ehemaligen Wohnhaus der Scholls in der Olgastraße startend, wurden die Besucher in die Ausstellung geführt. Anschließend war die Ausstellung 2 Wochen im Stadthaus zu sehen.

 

Sprache schafft Freunde - Schiller-Gymnasium und Ostschule Heidenheim
Das Projekt ist eine Kooperation des Schiller-Gymnasiums mit der Ostschule und dient der Sprachförderung von Grundschulkindern mit geringen Deutschkenntnissen.
Planung und Durchführung: Ca. 30 Schüler und Schülerinnen aus den Klassenstufen 8 bis 12 des Schiller-Gymnasiums
Organisation: Marion Ellendt-Rösch, Schiller-Gymnasium (Mathematik, Französisch, Beratungslehrerin)
Teilnehmer: 12 Schüler und Schülerinnen der Ostschule aus den Klassenstufen 1 bis 4, die überwiegend aus Syrien kommen, aber auch aus Polen, Serbien und Brasilien
Ablauf: Jeden Mittwochnachmittag von 14.00 bis 15.35 betreut eine Gruppe von 4-5 SG SuS die Grundschulkinder. Es wird gespielt, gebastelt, gekocht und Sport gemacht und dabei Deutsch gelernt.

 

Inklusion: Menschenrecht und Herausforderung für alle! - Albert-Einstein-Realschule Ulm-Wiblingen
Die Erkenntnis, dass die Gesellschaft Inklusion wünscht, dieser aber noch viele Barrieren im Wege stehen, macht es notwendig, Inklusion als Unterrichtsinhalt in der Schule zu behandeln, um zur Verwirklichung von Inklusion dadurch beizutragen, dass im Denken junger Menschen eine positive Grundhaltung gegenüber Inklusion und Behinderung entsteht.
Die gedankliche Verbindung von Inklusion und Nächstenliebe, die ein christliches Ideal ist, konkretisiert dieses Interesse auf den Religionsunterricht, der wie kein anderes Fach die christlichen Werte und deren Realisierung in der Welt nicht nur thematisiert, sondern in die Praxis holen kann. Mit der Idee eines Religionsunterrichts an der Regelschule, der von einer inklusiven Religionspädagogik geleitet wird und Inklusion als Lerninhalt vermittelt sowie im Rahmen eines Schulprojektes Inklusion in die Lebenswelt der Schüler holt, wird versucht, einen Weg aufzuzeigen, wie die Idealvorstellung Inklusion Realität werden kann.

 

Friedensfeier! Kunstausstellung und Begleitprogramm zum Jubiläum der Menschenrechtscharta 1948 in der LEA - Peutinger Gymnasium, Ellwangen
73 Jahre ohne Krieg, 70 Jahre Menschenrechte! Die Ausstellung des Künstlers Horst Solf in der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen wird eine Friedensfeier! In den Schulen gibt es viele Berührungspunkte mit der von Horst Solf initiierten Ausstellung zum 70jährigen Jubiläum der UN Charta der Menschenrechte und dem dazugehörigen Rahmenprogramm: So beschäftigen wir uns in der Vorweihnachtszeit mit den Menschenrechten beim Amnesty Briefmarathon, im Politikunterricht wird unser Grundgesetz thematisiert, und an den Projekttagen hat seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen der LEA und Schülergruppen stattgefunden. Schließlich ist es ein elementarer Bildungsauftrag ein Interesse für Demokratie und Frieden zu schaffen und den jungen Menschen bewusst zu machen, welches Glück sie haben in Frieden aufzuwachsen.
In Zusammenarbeit mit dem Künstler beteiligen sich jetzt Schülerinnen und Schüler mit Texten ihrer Zukunftsvisionen und Sichtweisen mit kontroversen aber doch sehr authentischen Aussagen, die zu den Gemälden installiert werden. Weiter entsteht ein buntes Rahmenprogramm mit Kunst, Musik, Filmvorführungen, Märchentheater, Austausch über die verschiedensten Muttersprachen, Vorträgen, Führungen und einem Sommerfest. Mögen die Begegnungen, die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und Geschwister, Verwandte und Bekannte, Lehrerinnen und Lehrer, Veranstalter, Künstler, kunstinteressierte Besucher und die geflüchteten Gäste aus aller Welt während der Friedensfeier in der LEA in Ellwangen machen, inspirierend sein für unser aller Bemühen um die Einhaltung der Menschenrechte und den Frieden auf dieser Welt. Ein Katalog unter der Mitarbeit der Schüler wird entstehen, die Ausstellung weiterwandern und vor Ort in der LEA wird weiter Kunst entstehen – in Begegnung von Schülern und Geflüchteten, in gemeinsamen Arbeiten, Gesprächen, Austausch oder einfach Begegnung ohne Worte mit Hilfe der Kunst. Für Toleranz, gegen stereotype Ängste. Entstehung von Neuem durch Begegnung.

 

Die Preisgelder wurden von der Hermann Bantleon GmbH gestiftet und kommen den jeweiligen Projekten oder artverwandten Nachfolgeprojekten zugute. Als Schirmherrin fungierte Nina zu Fürstenberg.

 

Um Anregungen zum Thema zu geben, bieten wir kostenlose Vorträge und Filmvorführungen zu gewünschten Aspekten auch außerhalb des Wettbewerbes an. Unsere Angebote zu Themen und Referenten finden sie hier. Bei Interesse schicken Sie uns einfach eine Mail an preis[at]stiftung-mrb.de oder csteinkamp[at]bantleon.de

 

Die Jury:

 

Quelle: Hermann Bantleon GmbH

Heribert Großmann

Geschäftsführer der Hermann Bantleon GmbH, Ulm

Quelle: Stefan Drößler

Stefan Drößler

Vorsitzender des Stiftungrats

Quelle: Martin Müller

Prof. Dr. Martin Müller

Prof. für Nachhaltigkeit an der Universität Ulm

Quelle: Iris Mann

Iris Mann

Bürgermeisterin für Bildung, Soziales und Kultur der Stadt Ulm

Ludger Möllers

Chefreporter der Schwäbischen Zeitung

Quelle: Südwest Presse

Ulrich Becker

Chefredakteur der Südwest-Presse

 

Die Schirmherrin:

 

Quelle: Nina zu Fürstenberg
Nina zu Fürstenberg wurde 1960 in Wien geboren. Sie studierte Philosophie, Theaterwissenschaften und Publizistik. Sie ist Urheberin zahlreicher Veröffentlichungen (Presse, Filme und Bücher) zu Kulturpolitik, Menschenrechte und interkulturellem Dialog und Gründerin der Reset-Dialogues on CivilisationsFoundation. Zu ihren Büchern gehören Wer hat Angst vor Tariq Ramadan?, erschienen 2008 im Herder Verlag, sowie Lumi dell’Islam. Nove intellettuali musulmani parlano di libertà, erschienen 2004. Sie lebt im Engadin und in Mailand und hat drei Töchter.